Chris Karlden im Interview

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Wie sind Sie darauf gekommen gerade Psychothriller zu schreiben? Was fasziniert Sie an dem Genre?

Ich mag von je her spannende Geschichten. Das war schon als Kind so und hat mit den 5 Freunde und Geheimnis um … Büchern von Enid Blyton angefangen. Auch heute lese ich fast ausschließlich Thriller, und wenn ich im Kino die Auswahl zwischen Komödie, Fantasie oder Spannung habe, würde ich immer das Letztgenannte wählen. Da liegt es nahe Bücher zu schreiben, die man auch selbst gerne lesen würde und in einem Genre, in dem man sich zu Hause fühlt. Am liebsten lese und schreibe ich daher auch Bücher, in denen salopp gesagt völlig normale Menschen aus heiterem Himmel mit dem Bösen konfrontiert werden. Also anders als in Kriminalromanen. Dort nähert sich ja meist ein Ermittler freiwillig dem Mörder und seiner schrecklichen Welt, weil es halt sein Job ist. Mich interessiert mehr wie ganz normale Menschen darauf reagieren, wenn sie aus heiterem Himmel vor unvorstellbare Schwierigkeiten gestellt werden. Psychothriller mag ich vielleicht deshalb besonders, weil gerade die innere Zerrissenheit und die Ängste der Figuren eine besonders interessante Ausgangsbasis für Spannungsliteratur darstellt und man tief in das, was in den Köpfen der Figuren vorgeht, eintauchen kann. Wenn ich ein überwältigendes Buch lese, dann beeindruckt mich das extrem und schon immer war dann der Wunsch da: So will ich auch schreiben können. Eine Initialzündung in Richtung Psychothriller war für mich Sebastian Fitzeks Buch „Die Therapie“. Noch nie zuvor hatte ich von einem deutschen Autor etwas vergleichbar Spannendes gelesen.

Wie lange schreiben Sie an einem Buch?

Das ist ganz unterschiedlich und kann nicht pauschal beantwortet werden. Auch wenn ich gerne öfter schreiben würde und ich immer bemüht bin, Zeit dafür freizuschaufeln, muss ich momentan schauen wie ich zwischen Vollzeitjob, Familie und sonstigen Alltagspflichten dazu komme. Da kann es schon einmal ein Jahr dauern, bis ein Buch geschrieben ist.

Woher nehmen Sie die Ideen zu Ihren Büchern?

Ideen entstehen bei mir ganz plötzlich durch bestimmte Situationen, in denen ich mich befinde oder die ich beobachte. Oder indem ich mir bewusst einer Art Brainstorming alle möglichen unglaublichen Was-wäre-wenn-Fragen ausdenke und anschließend versuche möglichst überraschende Antworten zu finden. Bei meinem aktuellen Psychothriller Unvergolten war beispielsweise Grundlage des Plots die Frage: Was wäre, wenn du nach einem Autounfall aus dem Koma erwachst und man dir sagt, dass dein Mann dabei ums Leben kam, du aber, nachdem deine Erinnerungen zurückkehren, glaubst, allein gefahren zu sein.

Welche Autoren haben Sie inspiriert?

Meine derzeitigen Favoriten sind: Sebastian Fitzek, Harlan Coben, Michael Crichton und Dan Brown.

Welche Thriller stehen bei Ihnen im Regal?

Ziemlich viele von den oben genannten Herren. Oh, da fällt mir auf, dass wirklich keine einzige Dame dabei ist. Darüber muss ich nachdenken.

Worin sehen Sie die Vorteile eines E-Books gegenüber einem Printbuch?

E-Books sind – da es sich ja um Daten handelt – unerschöpflich und auf Knopfdruck augenblicklich lieferbar. Ist eine Buchauflage vergriffen, stellt sich für den Verlag hingegen die Frage, ob er eine neue Auflage druckt. Eine riesige Bibliothek passt auf ein Lesegerät, das so leicht und flach ist, dass es tatsächlich in eine Hosentasche passt. Die Leichtigkeit der E-Reader erlaubt es, sie bequem mit einer Hand zu halten und durch die Seiten zu blättern. Durch die mittlerweile integrierte Beleuchtung kann auch bei Dunkelheit ohne zusätzliches Licht gelesen werden. Das E-Book verbraucht keinen Platz in den Wohnungsregalen und liest sich dabei im Gegensatz zum Lesen am PC wie ein richtiges Buch. Dabei ermöglicht es auch ein anonymes Lesen, da es keinen Buchumschlag gibt. Nicht jeder will, dass im Arztwartezimmer oder am Strand jeder weiß, welches Buch er gerade liest. Ältere und vergriffene Bücher können durch den Verlag kostengünstig als E-Book wiederbelebt werden. E-Books können ohne lange Vorlaufzeiten und wesentlich schneller veröffentlicht werden als Printbücher. Sicher habe ich noch ein paar Vorteile vergessen, aber das sind ja schon einige.

Lesen Sie selbst lieber E-Books oder Printbücher?

Da meine Bücher derzeit ausschließlich elektronisch veröffentlicht werden, wäre die passende Antwort natürlich ganz klar: Lieber E-Books! Aber in Wirklichkeit lässt sich die Frage nicht so pauschal beantworten. Beide Varianten haben Vorteile, die ich gerne nutze. Von daher finde ich, man sollte nicht von vorn herein eine der beiden Formen des Lesens für sich ausschließen. Da ich meist zwei Bücher nebeneinander lese, benutze ich oft ein Printbuch und ein E-Book. Was ich wann lese, hängt dann auch von der Situation ab, in welcher ich mich befinde. Zum Beispiel im Bett vor dem Schlafen lese ich lieber ein E-Book, da das Lesegerät so schön leicht ist. In der Badewanne könnte es mir hingegen ins Wasser fallen. Da muss jeder selbst entscheiden, ob er das Risiko eingeht. In meinen diesjährigen Urlaub habe ich zum ersten Mal nur elektronische Bücher mitgenommen. Auch am Strand. Mit ein bisschen Vorsicht geht das. So musste ich keine schweren Bücher im Koffer mitschleppen. In meinem Freundeskreis wird noch das Printbuch bevorzugt. Aber andererseits haben die meisten noch gar kein E-Book gelesen, und es herrschen noch viele nicht zutreffende Vorurteile. Auch ist es eine Gewohnheitssache. Je mehr E-Books ich lese, desto normaler wird es und desto weniger vermisse ich das Holzbuch. Sicher ist es schön, durch ein Printbuch mit einem schönen Cover zu blättern und ein weiteres Buch zur Sammlung ins Regal stellen zu können. Auch als Autor ist es gewiss ein erhebendes Gefühl sein eigenes Werk in Händen zu halten und als gedrucktes Buch in den Auslagen der Buchhandlungen zu sehen. Andererseits geht es für mich beim Lesen darum durch eine Geschichte in eine andere Welt einzutauchen, sodass ich Zeit und Raum um mich herum vergesse. In welcher Form das Buch mich auf diese Reise mitnimmt, spielt für mich nicht die entscheidende Rolle. Vielmehr kommt es auf den Inhalt an.

Wie und wo recherchieren Sie die Orte/Geschichten für Ihre Thriller?

Die Recherchearbeit findet größtenteils im Internet statt. Wenn es machbar ist, begebe ich mich gern vor Ort, um die Eindrücke auf mich wirken zu lassen. Für den Schauplatz von Monströs habe ich im Internet nach einem abgelegenen Hotel gesucht und bin zu meiner Freude zufällig in der Nähe unseres damaligen Urlaubszieles in den Bergen um Zermatt fündig geworden. Bei einem Tagesausflug hatte ich dann die Gelegenheit die Umgebung zu erkunden. Unvergolten ist örtlich in der Umgebung meines Wohnortes angesiedelt. Ich dachte mir, dass sich spannende Geschichten nicht nur in deutschen Großstädten abspielen. Skandinavische Thriller spielen auch oft in kleinen düsteren Nestern, die kaum einer kennt und dennoch sind Welterfolge daraus entstanden. Ganz nach dem Motto: Das Grauen kann überall um sich greifen. Stephen Kings Romane spielen auch sehr oft in Maine, wo er lebt. So was wollte ich auch einmal ausprobieren. Natürlich habe ich mir die künstlerische Freiheit genommen die Örtlichkeiten so anzupassen, dass sie einem möglichst spannenden Handlungsablauf dienlich sind.

Welche Figuren aus Ihren eBooks finden Sie selbst am Interessantesten?

Meine Protagonisten. Es ist spannend, sie bei dem Abenteuer ihres Lebens zu begleiten und dabei zu sein, wenn sie ihren Urängsten begegnen und dabei ihre persönlichen Grenzen überwinden müssen. In Monströs ist das der Ex-Strafverteidiger Martin Waller, der nun als Möbelrestaurator arbeitet. Vor drei Jahren hat seine Frau Selbstmord begangen, und er muss den sechsjährigen autistischen Sohn allein großziehen. Er ist klaustrophobisch und reist wegen eines Auftrags trotz seiner Schneephobie in die verschneiten Berge. In Unvergolten wird Linda Förster mit ihrer traumatischen Entführung aus Kindertagen und dem Unfalltod ihres Mannes, der nach ihrer Erinnerung nicht sein kann, konfrontiert.

Wo schreiben Sie gerne?

Am liebsten schreibe ich zu Hause an meinem Schreibtisch bei geschlossener Tür und ohne Musik. Jüngst habe ich meinen Schreibtisch in einen Kellerraum verfrachtet, weil ich dort am ungestörtesten arbeiten kann. Ich mag es um mich herum einfach und spartanisch. Möglichst wenig, das mich ablenken kann. Wenn ich mir die Zeit zum Schreiben aussuchen kann, dann wähle ich den Vormittag. Da scheinen mir meine Gedanken noch am klarsten zu sein. Bei längeren Reisen habe ich auch schon mal auf dem Rücksitz unseres Autos mit dem Notebook auf den Knien geschrieben, während meine Frau fährt. Eigentlich schreibe ich also überall, wo ich die Gelegenheit und Zeit dazu habe. Feste Schreibzeiten gibt es bisher nicht. Musik während des Schreibens hören funktioniert bei mir leider nicht. Ich habe es schon ausprobiert. Ob Hard Rock, klassische Musik oder Filmsoundtracks. Es lenkt mich zu sehr ab.