Interview mit Lektor Rainer Schöttle

Rainer Schöttle arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren als freier Lektor – den Schritt in die Selbstständigkeit ist er zunächst nicht freiwillig gegangen, mittlerweile ist es ihm aber gelungen, ein breites Netzwerk an spannenden Kunden und Projekten aufzubauen. Auch für Edel Elements lektoriert er – Verlegerin Karla Paul  hat ihm deshalb einige Fragen zu seiner Arbeit und seinem Alltag zwischen den Zeilen gestellt.

Lektor Rainer Schöttle
Edel Elements Lektor Dr. Rainer Schöttle

Lieber Herr Dr. Schöttle – Sie arbeiten seit über zwanzig Jahren als Lektor und sind immer noch sehr begeistert bei der Sache bzw. bei den Wörtern. Für alle Branchenfremden – was machen Sie eigentlich den ganzen Tag an so einem Manuskript, können Sie einen typischen Ablauf beschreiben?

Da gibt es von Buch zu Buch große Unterschiede, je nach Art und Qualität der Texte. Hinzu kommen noch die Vorgaben der Auftraggeber – bei mir sind dies in aller Regel Buchverlage, hin und wieder auch mal Selfpublisher. Als freiberuflich arbeitender Lektor bin ich in der glücklichen Situation, so gut wie gar nicht an Sitzungen teilnehmen zu müssen, sondern kann mich im Wesentlichen auf das konzentrieren, was das “klassische” Lektorat ausmacht, nämlich die Qualitätsarbeit am Text. Allgemein bedeutet das: lesen, dabei offensichtliche sprachliche und sachliche Fehler korrigieren, Missverständliches klarer formulieren, stilistisch Unschönes verbessern. Die Autorinnen und Übersetzer – sie sind die Inhaber des Urheberrechts und müssen mit sämtlichen Änderungen einverstanden sein – erhalten dann den bearbeiteten Text zur “Absegnung”. Das ist sozusagen die redaktionelle Routine; hinzu kommt die Prüfung von Fakten und Daten. Wie intensiv solche Prüfungen erfolgen – stichprobenartig oder möglichst vollständig –, hängt vom Arbeitsauftrag ab, aber generell sollten nicht nur in Sachbüchern, sondern auch in Romanen die erwähnten Tatsachen und Hintergründe stimmen. Bei diesen Arbeitsschritten erlebe ich die Zusammenarbeit mit Autoren und Übersetzerinnen meist als völlig problemlos, auch wenn um die eine oder andere Formulierung manchmal gerungen wird. Auch wenn es um Fragen der Gliederung geht, ist die Kooperation in der Regel unproblematisch: Manchmal bietet sich die Aufteilung großer Kapitel in mehrere kleinere an, oder ich füge Zwischenüberschriften ein, um eine stärkere Feingliederung zu erreichen. Für solche Arbeiten sind Autoren meist dankbar. Haarig kann es aber werden, wenn sich logische Brüche oder inhaltliche Widersprüche zeigen, Handlungselemente als sehr konstruiert oder gar völlig an den Haaren herbeigezogen erscheinen oder Charaktere nicht glaubwürdig entworfen sind. Das kommt in meinem Alltag selten vor, da die Verlage solche Manuskripte meist gar nicht annehmen, aber es gibt auch Ausnahmen. Da kann ich als Lektor zwar helfen, aber die Bitte an den Autor: “Mach noch mal neu”, muss dann mit entsprechender Begründung schon mal ausgesprochen werden, und dabei ist auch ein Quantum Diplomatie gefragt.

Nachbarskatze über der Lektüre eingeschlafen
Die Nachbarskatze mit einer optimierungsbedürften Arbeitseinstellung …

Gerade im Selfpublishing-Bereich verzichten manche Autoren aus finanziellen Gründen auf das sowohl zeit- als auch kostenintensive Lektorat und für den ein oder anderen Leser scheint es wenig Unterschied zu machen. Provokant gefragt: Deutschunterricht hatten wir alle und die Rechtschreibprüfung erledigt den Rest – weshalb ist das professionelle Lektorat in Ihren Augen weiterhin unverzichtbar?

Wenn Sie sich auf die Rechtschreibprüfung Ihres Textverarbeitungsprogramms verlassen wollen, dann viel Spaß! Ich würde als Autor meinen Computer nicht entscheiden lassen, ob zum Beispiel in einer turbulenten Situation meine Romanfiguren zusammenbrechen oder zusammen brechen … Und Deutschunterricht hatten die Leute auch schon, als die Verlage Anfang des 20. Jahrhunderts zu der Erkenntnis gelangten, dass die Kombination von Tätigkeiten, die unter der Bezeichnung Lektorat zusammengefasst wurden, für ihr wirtschaftliches Gedeihen unverzichtbar geworden war. Als in den 1990er-Jahren viele Verlage auch im Lektoratsbereich massiv Stellen abbauten, hat deshalb nicht die Lektoratsarbeit an Bedeutung eingebüßt, sondern es hat sich das Berufsbild “Freier Lektor/Freie Lektorin” mit eigenem Berufsverband herausgebildet, das aus der belletristischen wie aus der Sach- und Fachliteratur nicht wegzudenken ist. Und der Buchbereich ist da nicht das einzige Betätigungsfeld: Große Unternehmen, die über Werbeagenturen aufwendige Marketingkampagnen starten, planen selbstverständlich die Kosten für ein Werbelektorat mit ein. Schließlich wollen sie sich nicht mit schlechten, fehlerhaften Werbetexten blamieren, auch wenn die Werbesprache häufig zu gewollten Stilblüten greift, um aufzufallen. Aber Sie haben natürlich dahingehend recht, dass sich mit dem Aufkommen des Selfpublishing im großen Stil die Marktsituation geändert hat. Das betrifft jedoch nicht nur die Autorenseite, sondern auch die der Leserschaft, und das wird häufig übersehen. Früher haben einzelne Leser(innen) an die Verlage geschrieben, wenn ihnen Fehler in einem Buch aufgefallen sind. Der Verlag hat sich artig bedankt und in der nächsten Auflage entsprechende Korrekturen vorgenommen. Das war sozusagen ein Beschwerdemanagement außerhalb der Öffentlichkeit. Im digitalen Zeitalter aber demokratisiert sich das Rezensionswesen, und dadurch entsteht ein neuer Qualitätsdruck. Heute wird nicht mehr ein diskreter Beschwerdebrief an den Verlag geschrieben, sondern Fehler in Büchern – egal ob Print- oder digitale Ausgaben – werden öffentlich moniert bis hin zum Shitstorm in den entsprechenden Foren. Da kann sich kein Autor, keine Autorin eine Haltung leisten wie “Ich stehe zu meinen Fehlern, also können auch meine Fehler stehen bleiben”. Die “Sterne”-Vergabe und Bewertung auf den Seiten der Online-Buchhändler, auf Portalen und in Foren lässt gerade heutzutage den Verzicht auf ein sorgfältiges Lektorat zum Sparen am falschen Ende werden, und das rächt sich – das Internet vergisst nichts – nachhaltig. Erfahrene Selfpublisher raten daher auch davon ab, ein Buch unlektoriert auf die Plattform zu bringen.

Inzwischen arbeiten Sie sowohl für Print- als auch für Digitalverlage. Was hat sich sonst in der täglichen Arbeit in den letzten Jahrzehnten geändert?

Der Beruf hat sich durch die Entwicklung von Textverarbeitungsprogrammen generell technisiert. Das Handwerkszeug, das ich als Berufsanfänger brauchte, umfasste Papier, Kugelschreiber, Bleistift, Radiergummi, Farbstifte, Schere, Klebstoff, Schreibmaschine, Tipp-Ex und Fotokopiergerät. Da wurden Textänderungen mit Bleistift ins Manuskript eingetragen, Unterschiede zwischen Hauptkapitel- und Teilkapitelüberschriften für die Setzerei mit Farbstiften markiert, und die Gliederung wurde gegebenenfalls geändert, indem man die Manuskriptseiten auseinanderschnitt und die Teile in anderer Reihenfolge wieder zusammenklebte. Das so bearbeitete Manuskript wurde in der Setzerei mit allen Änderungen nochmals abgetippt, und von dem gesetzten Text gab es Papierausdrucke, die dann korrekturgelesen wurden. Diese technischen Abläufe hielten sich jahrzehntelang, bis in den 1980er-Jahren der Personal-Computer parallel zur Schreibmaschine Einzug hielt. Mein erster Kontakt mit elektronischer Textverarbeitung fand mit einem PC statt, der MS Dos als Betriebssystem hatte. Zu Word, das gerade bei Version 2.0 angelangt war, gab es noch zwei annähernd gleich verkaufsstarke Konkurrenzprogramme, die Windows-Technik war noch nicht auf dem Markt. Die ersten Versuche, “computergeschriebene” Manuskripte per Diskette in die Satzmaschinen einzuspeisen, waren desillusionierend, und weil das alles so schlecht funktionierte, gab es sehr viele Vorbehalte gegen die technologische Veränderung. Als die ersten Autoren anfingen, ihren Manuskriptsendungen Disketten beizulegen, verschwanden Letztere in der Ablage von Lektorat oder Herstellung und die Manuskripte wurden weiterhin auf Papier bearbeitet und in die Setzerei gegeben. Heute erledigen die Lektor(inn)en vielfach Aufgaben gleich mit, die früher den Herstellern in den Verlagen und den Satzbetrieben vorbehalten waren. Seit vielen Jahren schon ist das “Manuskript”, das ich als Lektor abzuliefern habe, kein papiernes Konvolut mehr, sondern eine Datei. Die Textverarbeitungssoftware bietet viele Möglichkeiten, auch das Layout zu erstellen oder zumindest vorzubereiten. Der Umgang mit Dokument- und Formatvorlagen, früher eine Domäne der Setzer und Grafikerinnen, gehört mehr und mehr zu den Kompetenzen, die Lektor(inn)en sich aneignen müssen. Im Fach- und Sachbuchbereich, besonders auch im Ratgebersegment, wird solches Know-how mehr und mehr abgerufen, und dieser Trend setzt sich zur Belletristik hin mit einiger Verzögerung fort. Geblieben ist bei all diesen Veränderungen bisher noch die Reihenfolge des Workflows: Das Manuskript geht als Datei vom Autor zum Lektor, der schickt es zur Genehmigung der Änderungen bzw. Nachbesserung zurück und erhält es vom Autor wieder. Danach erfolgt die technische Herstellung inklusive Korrektorat und Satz und/oder Konvertierung in ein E-Book-Format. Dabei wird die Entwicklung aber nicht stehen bleiben; von Autorenseite macht sich ein leises Drängen dahingehend bemerkbar, vom Nacheinander zum Miteinander zu kommen, was in diesem Fall bedeuten würde, die beschriebene “klassische” Arbeitsabfolge aufzugeben zugunsten eines gleichzeitigen Arbeitens an der Manuskriptdatei. “Joint Editing” ist das Stichwort; eine entsprechende serverbasierte Software ermöglicht es, dass ganze Autorenteams samt Lektorinnen und Korrektoren gemeinsam an einer Datei arbeiten, aus der am Ende ein E-Book konvertiert wird. Gerade in Bloggerkreisen scheint das Interesse an dieser Art der Buchentstehung zu wachsen; entsprechende Software befindet sich in der Entwicklungs- bzw. Optimierungsphase.

Arbeitsplatz
Der Arbeitsplatz von Edel Elements Lektor Dr. Rainer Schöttle

Geändert hat sich darüber hinaus auch definitiv die Rechtschreibung. Wie hält man sich hier auf dem Laufenden, gibt es z.B. Lektoratsfortbildungen?

Ja, die gibt es, und sie sind auch nötig. Vor allem der Lektorenverband VFLL hat die gezielte berufliche Fortbildung zu einem seiner Arbeitsschwerpunkte gemacht. Vom Grundlagenseminar für Berufseinsteiger über Workshops zu Sprache und Stil bis hin zu Seminarveranstaltungen über den optimalen Einsatz von Textverarbeitungssoftware und verschiedenen Adobe-Programmen wird da sehr viel geboten. Auch in Kooperation mit der Akademie der Deutschen Medien, die einige Veranstaltungen anbietet, die sich an Lektor(inn)en richten. Sehr hilfreich ist auch der “Leitfaden Freies Lektorat”, der unlängst vom VFLL in Buchform veröffentlicht wurde; eine E-Book-Ausgabe wird in diesem Jahr erscheinen.

Von Biografien über ACDC bis zum blutigen Thriller und dem herzerweichenden Liebesroman haben Sie bereits jedes Genre lektoriert. Haben Sie besondere Vorzüge oder gar private Lektoratsleidenschaften?

Nein, das könnte ich nicht sagen. Mir ist die Abwechslung ganz wichtig. Wenn ich mal zwei oder drei “harte” Thriller nacheinander zu bearbeiten hatte, ist es angenehm, wenn danach mal eine romantische Liebesgeschichte kommt. Natürlich freue ich mich, wenn ich die Geschichte einer Rockband redigieren darf, die ich selbst schon in Konzerten erlebt habe, aber einen gut geschriebenen historischen Roman, der mich in ferne Zeiten und Länder eintauchen lässt, mag ich eben auch sehr gern. An manche Genres traue ich mich nicht heran – vor allem an die nicht, in der man sozusagen in deren eigener Welt zu Hause sein muss. Von Science-Fiction-Romanen lasse ich lieber die Finger, und auch an naturwissenschaftliche Sachbücher traue ich mich nicht heran. Dafür haben zwei meiner Verlagskunden mich als brauchbaren Lektor für ihr Programmsegment “Frecher Frauenroman” entdeckt. Hab halt einen gewissen Hang zur Satire …

Viele „Berufsliteraten“ kennen das Problem – mit der Zeit kann man nicht mehr zwischen privater und beruflicher Leseleidenschaft unterscheiden und einen Roman mit neutralen Augen lesen. Fallen Ihnen öfter Fehler der Kollegen auf bzw. ertappen Sie sich beim heimlichen Korrigieren von Handlungssträngen?

Der Suhrkamp-Cheflektor Raimund Fellinger hat kürzlich in einem Interview zum Thema “private Urlaubslektüre” gesagt: “Wenn ich auf Seite neun einen falschen Genitiv entdecke, habe ich keine Lust weiterzulesen.” Da bin ich schon toleranter, aber Fehler fallen mir natürlich auf, und wenn es allzu viele sind, dann ärgere ich mich darüber wie jeder “Hobbyleser” auch. Für mich sind dabei aber gar nicht unbedingt ein paar stehen gebliebene Tippfehler der Stein des Anstoßes. Was mich wirklich nervt, ist ein schlampiger Umgang mit Sprache. Also, wenn ich zum Beispiel in einem Krimi lese, die Leiche habe “mitten zwischen einem Blumenbeet” gelegen, dann frage ich mich schon mal ketzerisch, ob ein paar Euro mehr für eine sorgfältige sprachliche Bearbeitung nicht drin gewesen wären … Aber heimlich Handlungsstränge korrigieren? Nee, fällt mir bei privater Lektüre nicht ein. Wenn’s zu konstruiert wirkt, dann gefällt’s mir nicht, und wenn’s mir gar zu blöd wird, dann lese ich’s halt nicht zu Ende. Aber das ist es dann auch.

Wahrscheinlich fallen Sie kaum mehr auf die Spannungstricks der Autoren rein, jeder Schreibkniff wird schnell enttarnt. Wann hat sie zuletzt ein Autor positiv überrascht und wie ist ihm/ihr das gelungen?

Ja, so ein paar Kniffe erkennt man schon. Dass zur Steigerung des Tempos in den entsprechenden Passagen mit kürzeren Sätzen gearbeitet wird, gehört zu den eher banalen Techniken. Aber manchmal ertappe ich mich auch dabei, dass ich mich in eine Romanhandlung hineingezogen fühle und unbedingt weiterlesen will, ohne einen methodischen Trick auszumachen. Vielleicht ist die Methode in solchen Fällen ganz einfach der Einsatz von Erzähltalent (?). Ich erinnere mich zum Beispiel noch an die Lektüre von Martin Walsers “Verteidigung der Kindheit”. Ich quälte mich durch die mehr als 500 Seiten, überlegte mehr als einmal, das Buch aus der Hand zu legen, aber irgendwie hatte es mich doch gepackt, und als ich dann “durch” war, fand ich es auf einmal schade, dass es zu Ende war. –
Die sogenannten “Cliffhanger” sind im Buch wie im Film geradezu eine klassische Pflichtübung, um Spannung zu erzeugen, und sie wirken immer noch. Falsche Fährten führen den Krimileser gern in die Irre, bis er langsam ahnt, wer der wahre Täter sein könnte. Und der wird jetzt gejagt bis zum großen Showdown – und dann war es doch ein anderer, den man durch geschickte Führung des Autors bis zum Schluss nicht auf dem Radar hatte. Eine solche Überraschung hat mir zuletzt der Thriller-Autor Vincent Kliesch präsentiert – großartig gemacht!

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Dr. Rainer Schöttle gibt sein Wissen an den Nachwuchs weiter

Bei neuen Trends im Buchbereich erfahren Sie meist noch vor dem Leser davon. Welche Entwicklungen gibt es aktuell, können Sie uns schon ein bisschen was über die Inhalte für 2017 verraten? Bleiben wir weiterhin bei Krimis aus der Provence, bei schwedischen Serienmördern und Liebesromanen über die britische Adelsgesellschaft des 19. Jahrhunderts oder gibt es gar frische Themen im Literaturbereich? Verraten Sie es ruhig, wir sind hier unter uns …

Nein, so weit vorn hat unsereins die Nase da gar nicht. Da sind die in den Verlagen angestellten Kolleginnen viel näher dran. Dort werden in den Lektoraten aufwendige Konkurrenzanalysen durchgeführt, die Absatzzahlen der Vorjahre daraufhin analysiert, welche Themen (und welche Autoren) “gut gegangen” sind, und so weiter. Daraus werden dann Programmentscheidungen gefällt und die ergeben vielleicht ein Jahr später einen Trend, der sich in den Schaufenstern der Buchhandlungen und auf den Websites der Verlage erkennen lässt. Als freiberuflicher Lektor bin ich an diesen Entscheidungsprozessen gar nicht beteiligt, sondern bearbeite das jeweils einzelne Buchmanuskript so sorgfältig wie möglich, natürlich auch mit Blick auf thematisch verwandte Bücher. Aber Trends nimmt unsereins meist auch erst dann wahr, wenn sie da sind. Abgesehen davon gibt es immer wieder auch einzelne Pioniertaten, die plötzlich einen Trend auslösen: Vor Jahren ist mal, scheinbar völlig abwegig, ein gesundheitsorientiertes Sachbuch zum Thema “Schwarzkümmel” erschienen. Das Ding wurde gekauft wie verrückt, und plötzlich schossen die “Schwarzkümmel”-Bücher wie Pilze aus dem Boden. Da hatte noch das vierte und fünfte Buch zum Thema eine reelle Verkaufschance, und nach kurzer Zeit war der Spuk vorbei. Nach wie vor sehe ich viele historische Romane unter den Neuerscheinungen, aber Autorinnen historischer Romane klagen mir gegenüber, dass sie ihre Entwürfe nur noch schwer bei den Verlagen unterbringen können, weil der historische Roman zurzeit keine Konjunktur habe; die Verlage seien da sehr zurückhaltend geworden. Ich weiß es, ehrlich gesagt, auch nicht. Manchmal reicht ja schon ein einzelner spektakulärer Bestseller, um zumindest auf dem Belletristik-Markt eine Trendumkehr einzuleiten.

Falls neben all der Arbeit zwischen den Seiten noch die Muße für privates Lesen bleibt – haben Sie als Experte drei aktuelle Buchempfehlungen?

Buchempfehlungen aus “Expertenhand” sozusagen? Geht’s nicht auch ‘ne Nummer kleiner? – Nein, im Ernst: Bücher fürs private Lesevergnügen wählt man doch nach persönlichem Geschmack, und wenn ich jemandem ein Buch empfehle, dann nicht aufgrund einer besonderen “Ahnung von der Materie”, sondern schlicht und einfach, weil es mir gefallen hat. Und wenn ich Ihnen da drei nennen soll … “Unterleuten” von Juli Zeh hat mir viel Freude bereitet, “Die Gierigen” von Karine Tuil war ebenfalls eine tolle Lektüre und “Plötzlich Pakistan” von Hasnain Kazim hat mir in mancherlei Hinsicht die Augen weiter geöffnet.


Linktipp: Homepage von Rainer Schöttle

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